Recycelte Dämmstoffe im Altbau: Dämmen ohne Neubaustandard
Wer ein Haus aus den 1950er- oder 1960er-Jahren besitzt, kennt das Problem: Die Wände sind dünn, die Fassade hat Risse, und im Winter zieht es durch jede Fuge. Eine Dämmung nach Neubaustandard würde bedeuten, das gesamte Gebäude zu entkernen und mit Styropor oder Mineralwolle zu verkleiden. Das ist teuer, ökologisch fragwürdig und für viele Altbauten schlicht überdimensioniert. Recycelte Dämmstoffe bieten hier einen Mittelweg. Sie erreichen nicht die Dämmwerte einer Passivhaushülle, aber sie reduzieren den Heizwärmebedarf deutlich, ohne die Bausubstanz zu verändern.
Zellulose aus Altpapier, Hanffasern aus regionalem Anbau, Korkgranulat aus Flaschenkorken oder Schafwolle aus der Textilindustrie – diese Materialien haben eines gemeinsam: Sie sind bereits im Kreislauf und verursachen bei der Herstellung einen Bruchteil der grauen Energie von Glaswolle. Ein Beispiel: Zellulosedämmung wird aus Zeitungspapier hergestellt, das mit Borsalzen gegen Schimmel und Brand geschützt wird. Der U-Wert liegt bei etwa 0,040 W/mK, was für eine nachträgliche Einblasdämmung in Hohlräumen völlig ausreicht. Wer nachhaltig renovieren mit recycelten Baustoffen plant, findet in einem Ratgeber für nachhaltiges Renovieren mit recycelten Baustoffen praktische Hinweise zur Verarbeitung und zu Förderprogrammen. Entscheidend ist, dass die Dämmung diffusionsoffen bleibt, damit die Wand atmen kann – sonst droht Feuchtigkeit in der Bausubstanz.
Die praktische Umsetzung im Altbau unterscheidet sich deutlich vom Neubau. Eine Innendämmung mit Lehmputz und Hanfplatten ist oft die einzige Option, wenn die Fassade unter Denkmalschutz steht. Dabei wird die Dämmung direkt auf die Innenwand geklebt, anschließend folgt eine Lehmputzschicht, die Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Wichtig ist eine Dampfbremse auf der warmen Seite, sonst kondensiert Wasser in der Wand. Für Dachschrägen eignet sich Zellulose-Einblasdämmung, die in die Sparrenzwischenräume geblasen wird. Bei Holzbalkendecken kann Korkgranulat in die Gefache geschüttet werden – eine einfache Methode, die den Trittschall dämpft und die Wärme im Raum hält.
Förderprogramme der KfW und BAFA unterstützen recycelte Dämmstoffe inzwischen explizit, sofern bestimmte Mindestdämmstärken erreicht werden. Wer die Dämmung selbst einbaut, spart zusätzlich Handwerkerkosten, sollte aber die Dampfdiffusion vorher berechnen lassen. Ein Altbau wird nie zum Neubau, aber mit recycelten Dämmstoffen lässt sich der Energieverbrauch oft halbieren – bei geringem ökologischem Fußabdruck und ohne die typischen Baumängel einer überdimensionierten Sanierung.